Merkblatt MentorInnen

Informationsblatt für Mentorinnen und Mentoren
im Kirchlichen Fernunterricht der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland
Gültig für Kurs 27 (September/Oktober 2011 bis Juni 2014)

 

Die theologische Qualifizierung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Gemeinden gilt der Evangelischen Kirche in Deutschland gegenwärtig als eine der dringlichsten Aufgaben.1 Der Kirchliche Fernunterricht widmet sich dieser Aufgabe seit nunmehr 51 Jahren. Er stellt im Raum der EKD die qualitativ und quantitativ intensivste theologische Grundausbildung für den ehrenamtlichen Verkündigungsdienst dar und bietet darüber hinaus interessierten Gemeindegliedern aus allen Gliedkirchen der EKD und allen Mitgliedskirchen der ACK die Möglichkeit zur persönlichen theologischen Bildung.

Unterrichtsinhalte und Studienorte

Der Unterricht orientiert sich – verbunden mit Methoden der Erwachsenenbildung – am universitären Theologiestudium und damit an den Grundfächern der Evangelischen Theologie: Altes Testament, Neues Testament, Kirchengeschichte, Ökumene/Konfessionskunde, Systematische Theologie, Praktische Theologie. An den vier Kursorten Magdeburg, Neudietendorf (bei Erfurt), Röhrsdorf (bei Chemnitz) und Meißen unterrichtet ein Team von fast 40 ehrenamtlich tätigen DozentInnen aus Kirche, Schule und Hochschule. In insgesamt 348 Unterrichtsstunden erwerben die KursteilnehmerInnen umfassende Grundkenntnisse und eine eigene theologische Kompetenz. Persönliche Vor- und Nachbereitung mit der Lektüre der Lehrbücher, schriftliche Hausarbeiten, Predigten und ein Gemeindevortrag ergänzen die Wochenendkurse und Kurswochen und ermöglichen eine Vertiefung und Anwendung des dort Erlernten.

Für TeilnehmerInnen aus allen Gliedkirchen der EKD

Rechtsträgerin des Kirchlichen Fernunterrichts ist seit dem 1. Januar 2009 die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM). Getragen wird er zudem von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz, der Evangelischen Landeskirche Anhalts und der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. VertreterInnen dieser Landeskirchen bilden das Kuratorium.
Der KFU ist offen für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Gliedkirchen der EKD. Einige wenige der westdeutschen Landeskirchen, die eigene Ausbildungskurse zum Dienst als Prädikant, Laienpredigerin oder Ältestenprediger haben, erkennen das Examen des Kirchlichen Fernunterrichts nicht als eine grundlegende Qualifikation für die Berufung zum Dienst in ihrer Kirche an. Die Leitung des Kirchlichen Fernunterrichts ist, gemeinsam mit dem Kuratorium, um eine EKD-weite Anerkennung des KFU-Examens bemüht und freut sich auch in dieser Hinsicht über eine Unterstützung vonseiten der MentorInnen.

Das Mentorat im Kirchlichen Fernunterricht

Die Ausbildung in den Kursen des Kirchlichen Fernunterrichts bedarf der Begleitung, der Unterstützung und kritischen Förderung in den Gemeinden und Kirchenkreisen vor Ort. Dies ist die vorrangige Aufgabe der MentorInnen. Für eine theologisch qualifizierte Ausbildung, die zum Dienst als PrädikantIn befähigen soll, ist der Kirchliche Fernunterricht auf die Mitarbeit von MentorInnen ebenso angewiesen wie auf die Lehrtätigkeit der DozentInnen.Die Begleitung einer Teilnehmerin/eines Teilnehmers am KFU ist – ebenso wie das Mentorat im Vikariat – eine anspruchsvolle, herausfordernde und zugleich bereichernde Aufgabe. Wie die DozentInnen für die Vermittlung des Lehrstoffs in den Seminaren zuständig sind, so unterstützen die MentorInnen dessen Aneignung und Vertiefung im persönlichen Studium zuhause und dessen Anwendung und Erprobung in der Gemeinde. Das theologische und seelsorgerliche Gespräch mit den KFU-Studierenden kann für die MentorInnen, wo es als gegenseitiges Geben und Nehmen wahrgenommen wird, zudem eine Gelegenheit zur eigenen Fortbildung bieten. Für beides braucht es Zeit und regelmäßige Kontakte.

Die Berufung der MentorInnen

Für den Kurs 27 gilt laut Beschluss des Kuratoriums in seiner Sitzung am 8. Juni 2009 die Regelung: Die KursteilnehmerInnen benennen vor Beginn des Kurses selbst eine Mentorin/ einen Mentor ihrer Wahl. Die Mentorin/der Mentor im Kirchlichen Fernunterricht sollte möglichst eine amtierende Gemeindepfarrerin/ein amtierender Gemeindepfarrer sein; möglich ist auch die Berufung von PfarrerInnen im Funktionspfarramt, sofern sie den KFU-Studierenden den Kontakt zu einer Gemeinde ermöglichen können. Emeriti werden nur in begründeten Ausnahmefällen als MentorInnen berufen.
Die MentorInnen der Studierenden aus den am KFU beteiligten Landeskirchen (s.o.) wer
den unmittelbar nach Kursbeginn von der jeweiligen Landeskirche bestätigt. Eine schriftliche Berufung geht ihnen von ihrer Landeskirche zu. Falls es Einwände der Landeskirche gegen den Vorschlag der Studierenden gibt, beruft die Landeskirche im Einvernehmen mit dem/der Studierenden eine andere Mentorin/einen anderen Mentor. Auf Bitte der Studierenden hin kann auch jetzt schon die Zuweisung einer Mentorin/eines Mentors durch die Landeskirche erfolgen.
Die MentorInnen der Studierenden aus den übrigen Landeskirchen erhalten auf Wunsch eine Berufung vonseiten der KFU-Leitung und werden gebeten, ihr Mentorat bei der zuständigen Superintendentur bzw. dem zuständigen Dekanat bekanntzugeben.

Die Hauptaufgaben im KFU-Mentorat

Die/der MentorIn begleitet die Kursteilnehmerin/den Kursteilnehmer während der knapp 2½ Jahre des KFU-Studiums als theologische/r und seelsorgerliche/r GesprächspartnerIn vor Ort. Sie/er vermittelt den Kontakt zur Gemeinde, in der die/der KFU-Studierende praktische Erfahrungen im Verkündigungsdienst sammeln, einen Gemeindeabend, zwei Predigtgottesdienste und den Examensgottesdienst halten soll.
Die/der MentorIn bringt das eigene theologische Fachwissen, pastorale Erfahrungen und seelsorgerliche Kompetenz in das Gespräch mit den KFU-Studierenden ein.

Regelmäßige Gespräche

Es empfiehlt sich, regelmäßig nach jedem der zwölf Wochenendseminare und den beiden Seminarwochen Fragen zum Unterrichtsstoff gemeinsam zu bearbeiten, ggf. auch in der Form gemeinsamer Lektüre. Als effektiv haben sich – parallel zu den regionalen Lerngruppen mancher KFU-TeilnehmerInnen – gemeinsame Treffen mehrerer MentorInnen mit den Studierenden erwiesen. Dies setzt allerdings die Bereitschaft zur Zusammenarbeit unter den MentorInnen und eine gewisse räumliche Nähe voraus.
Zum KFU als Fernstudium gehört in jedem Fach die Anfertigung mehrerer Hausarbeiten. Den MentorInnen kommt die Aufgabe zu, die Studierenden bei der Anfertigung ihrer Hausarbeiten zu beraten, den Aufriss der Arbeit mit ihnen zu diskutieren und ihnen bei der Beschaffung von Fachliteratur behilflich zu sein. Die Hausarbeiten müssen bei aller Unterstützung durch die Mentorin/den Mentor eine eigenständige Leistung der Studierenden bleiben.

Schriftliche Aufgaben im KFU-Mentorat

Während des KFU-Studiums sind von den Teilnehmenden zwei Predigtgottesdienste auszuarbeiten und in einer Gemeinde, möglichst der Gemeinde der Mentorin/des Mentors, zu halten. Den MentorInnen obliegt die Aufgabe, die KFU-Studierenden insbesondere bei der liturgischen Vorbereitung zu unterstützen und für eine Eingliederung der Gottesdienste in den Predigtplan der Gemeinde zu sorgen. Über den gehaltenen Gottesdienst fertigt die Mentorin/der Mentor einen Bericht an. Dieses ist von den Studierenden gemeinsam mit den ausgearbeiteten Gottesdiensten dem zuständigen PT-Fachdozenten zuzuschicken.4

Ebenso ist von den Teilnehmenden ein Bibelgesprächsabend vorzubereiten. Die MentorInnen beraten die Studierenden bei der Auswahl einer geeigneten Gemeindegruppe und bei insbesondere praktischen Fragen der Durchführung des Abends. Sie sorgen für die Aufnahme des Gemeindeabends in den Veranstaltungsplan der Gemeinde. Die MentorInnen fertigen über die selbständige Durchführung des Gemeindeabends einen Bericht an. Dieses ist von den Studierenden gemeinsam mit dem ausgearbeiteten Gemeindeabend dem zuständigen PT-Fachdozenten zuzuschicken.

Der
Examensgottesdienst, der in der Regel bis spätestens zehn Wochen vor der Examenswoche zu halten ist, wird von der zuständigen Superintendentin/dem zuständigen Superintendenten begutachtet (vgl. KFU-Prüfungsordnung § 5 Absatz 4). Dessen Votum geht über den KFU dem zuständigen PT-Fachdozenten zu. Der Mentor/die Mentorin kann ein eigenes Votum zum Examensgottesdienst abgeben.

Im Laufe des 2½jährigen Mentorats sollte die Mentorin/der Mentor zu einer eigenen Einschätzung über die Eignung der Kursteilnehmerin/des Kursteilnehmers für den Dienst als Prädikantin/Prädikant kommen. Eine
schriftliche Beurteilung durch die Mentorin/den Mentor fließt ein in die Entscheidung der Prüfungskommission über die Empfehlung, nach gliedkirchlichem Recht zum Dienst als Prädikantin/Prädikant zu berufen. Sie sollte dem KFU-Büro bis spätestens vier Wochen vor der Examenswoche zugeschickt werden.

Mentoratstreffen

Ein regelmäßiger Kontakt der MentorInnen zur KFU-Büro ist wünschenswert, insbesondere die gegenseitige Benachrichtigung bei Problemen in der Begleitung vor Ort, im Unterricht oder bei den Hausarbeiten.

Die Landeskirchen laden jährlich zu regionalen
Mentoratstreffen ein. Diese Treffen dienen der Weitergabe von Informationen aus dem KFU und den Landeskirchen sowie dem Austausch von Erfahrungen bei der Mentorierung. Sie ermöglichen den persönlichen Kontakt zur KFU-Leitung und zu VertreterInnen der Landeskirchen und das Gespräch mit den DozentInnen für Praktische Theologie.
Wichtige Informationen (Lehrplan, Satzung, Studienordnung, Prüfungsordnung, Kurstermine, Adressenliste der DozentInnen, Mitgliederliste des Kuratoriums etc.) können von der homepage des KFU heruntergeladen werden (www.kfu-ekmd.de).Darüber hinaus stehen die beiden Mitarbeitenden des KFU-Büros, Frau Burba und Herr Krause, die Studienleiter/in sowie die Mitglieder des Kuratoriums den MentorInnen für Fragen zur Verfügung.

Hier noch einmal die
wichtigsten Aufgaben auf einen Blick:

• regelmäßige Gespräche mit der Kursteilnehmerin/dem Kursteilnehmer nach den Wochenendseminaren und Seminarwochen

• Beratung bei den Hausarbeiten

• schriftliche Berichte über zwei Gottesdienste und einen Gesprächsabend

• Teilnahme an den regionalen Mentoratstreffen in der EKM, EKBO oder ELKS

• schriftliche Einschätzung der Kursteilnehmerin/des Kursteilnehmers hinsichtlich ihrer/ seiner Eignung für den Dienst als Prädikantin/Prädikant (bis spätestens vier Wochen vor der Examenswoche)

• fakultatives Votum zum Examensgottesdienst (bis spätestens vier Wochen vor der Examenswoche).
 

Das KFU-Team freut sich über Ihre Bereitschaft, ein Mentorat im KFU zu übernehmen und auf diese Weise einen wegweisenden Beitrag zur wichtigen Aufgabe der »Gewinnung, Begleitung und Qualifizierung von Ehrenamtlichen« zu leisten.

Verbunden in dieser gemeinsamen Aufgabe grüßen Sie

PD Dr. Gisa Bauer, Studienleiterin Neudietendorf
Pfr. Dr. Achim Detmers, Studienleiter Neudietendorf
Pfr. Michael Markert, Studienleiter Meißen


 


1»Die Gewinnung, Begleitung und Qualifizierung von Ehrenamtlichen gehört für die evangelische Kirche zu den wichtigsten Zukunftsaufgaben. Die Zahl der ehrenamtlich Engagierten im Verhältnis zur Gesamtzahl der Kirchenmitglieder sollte gegenüber heute deutlich erhöht werden. Dabei sind ehrenamtlich Engagierte nicht als Helfer oder Ersatz für hauptamtliche Kräfte zu betrachten. [...] Für die evangelische Kirche wird die Gruppe der ehrenamtlich für die Kirche Tätigen in Zukunft genauso wichtig sein wie die Gruppe der beruflich Tätigen. [...] Das Ehrenamt wird dort besonders wichtig, wo es um die geistliche Präsenz des evangelischen Glaubens in der Nähe zu den Menschen geht.« (Kirchenamt der EKD (Hg.), Kirche der Freiheit. Perspektiven für die Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert. Ein Impulspapier des Rates der EKD, Hannover 2006, 68f.)