Kirchengeschichte

Das Fach Kirchengeschichte befasst sich sowohl mit der Dogmen- und Theologiegeschichte als auch mit der historischen Entwicklung der Kirche. Die ›Kirche‹ wird dabei als durch und durch geschichtliche Größe behandelt. Wie in den anderen historischen Wissenschaften werden rechts-, wirtschafts-, sozial- und mentalitäts- bzw. frömmigkeitsgeschichtliche Aspekte berücksichtigt, die für die Entwicklung der Kirche von Bedeutung sind.

In der Dogmen- und Theologiegeschichte liegt der Fokus auf den verschiedenen, sich in der Geschichte entwickelnden theologischen Vorstellungen von Gott, dem Menschen, der Schöpfung und der Bibel.

Weiterhin werden im Fach Kirchengeschichte die Entstehung von Konzilien und Versammlungen untersucht, deren Lehrentscheidungen Grundlage des christlichen Glaubens geworden sind, wie die altkirchlichen Bekenntnisse und die reformatorischen Bekenntnisschriften. Eine ebenso wichtige Rolle spielt die Betrachtung unterschiedlicher Frömmigkeitsströmungen. Dabei kommen auch diejenigen Bewegungen in den Blick, die sich neben oder gegen die kirchlichen Theologien herausbildeten, sowie die Entstehung der unterschiedlichen christlichen Konfessionen in ihrem jeweiligen historischen Kontext. Das Leben und Wirken einzelner herausragender Frauen und Männer kommen in der Erforschung und Darstellung der Kirchengeschichte stets zum Tragen.

Die Kenntnis der Kirchengeschichte vermittelt die historische Tiefenschärfe, die untrennbar zum Wissen um theologische Sachverhalte dazugehört. Es geht darum zu verstehen, vor welchem historischen Hintergrund theologische Konzepte entstanden sind, warum sie sich genau so und nicht anders entwickelt haben und wie sie die Gegenwart beeinflussen.

Die Geschichte des Christentums ist eine lange Erzählung über die Suche nach Wahrheit und die Verstrickung in Irrtümer, über das Ringen mit und um Gott, über menschliches Versagen ebenso wie über selbstlose Nächstenliebe.

Unsere Vorfahren sind uns an vielen Punkten ähnlicher, als wir heute annehmen. Sie sind aber auch verschiedener von uns, als wir oft vermuten, da sie in Zeiten ganz anderer Weltanschauungen und Gottesvorstellungen gelebt wurden. Das heißt also: Zwischen Gegenwartsbezug und Identifikationsmöglichkeit auf der einen Seite sowie dem uns durch die historischen Veränderungen kulturell und religiös fremd Gewordenem auf der anderen Seite liegt das Feld der Kirchengeschichte.